Heimatkunde in Verl und anderswo
Es gibt viel zu entdecken, fangen wir an!
 

Verl in historischen Bildern - Neu: Teil 3
frĂŒher und heute



Am Kirchplatz Nr. 5, nicht weit entfernt vom Ölbach, befindet sich eine der Ă€ltesten Hofstellen in Verl. Vor etwa 1000 Jahren wurde die Ölbachaue erstmals mit vier Althöfen besiedelt, einer davon war BĂŒrmanns Hof.
Das Fachwerkhaus von 1698 ist ein typisches „niederdeutsches Hallenhaus“, bei dem Stall, Erntelager uns Wohnung unter einem Dach vereint sind. Durch das große Hoftor gelangte man auf die Deele, an der sich rechts und links die StĂ€lle anschlossen. Im hinteren, nördlichen Teil befanden sich WohnrĂ€ume. UrsprĂŒnglich war dieses Haus lĂ€nger, das Fachwerk wurde irgendwann um einige Meter zurĂŒckgebaut und der Deelenbereich verkĂŒrzt.
1986 wurde das Haus in die Denkmalliste aufgenommen, grĂŒndlich renoviert und anschließend als Restaurant genutzt. Seit 2014 finden wir Hannes und Sascha in BĂŒrmanns Hof. (Altes Foto aus der Sammlung von Josef Freise ).





Nahe beim Hof BĂŒrmann (einem ehemaligen Bauernhof) steht das Haus BĂŒrmann (ein Wohnhaus). Lange Zeit trug es die Hausnummer Verl No 1.
Hier befand sich ab 1838 fĂŒr einige Jahre das Dienstzimmer des Amtmannes, als die Kantonsverwaltung von Neuenkirchen nach Verl verlegt wurde.
Von 1848 bis 1890 war hier das erste Verler Postamt untergebracht.
1847 verkaufte Familie BĂŒrmann das Haus und es kam in den Besitz von Kaufmann Ferdinand Carl-MĂŒller und seinen Nachfahren. Seit 1895 heißen die Bewohner des Hauses Voßhenrich.
Auf dem alten Foto von 1906 sieht man Johann Voßhenrich und seine Kinder vor ihrem renovierten Haus stehen. Kurz zuvor war die obere Etage des Hauses durch ein Feuer beschĂ€digt worden. Nun hatte man den Bereich erneuert und den Giebel mit einem zeitgemĂ€ĂŸen Zierfachwerk versehen. Der links angesetzte SeitenflĂŒgel enthielt StĂ€lle und eine Scheune.
1983 wurde das Haus erneut durch ein Feuer beschĂ€digt. Da die Familie keine Landwirtschaft mehr betrieb, wurde der SeitenflĂŒgel ein Wohnhaus.
Als in den letzten Jahren erneut renoviert wurde, musste ein morscher Baum vor dem historischen GebĂ€ude weichen. Die GrĂ¶ĂŸe der BĂ€ume lĂ€sst vermuten, dass sie vermutlich schon seit Beginn des Hauses, seit etwa 1820, dort stehen.




Zu den HĂ€user, die die Kirche kreisförmig umschließen, gehört eine ehemalige kleine Hofstelle im sĂŒdlichen Bereich. Die Bewohner arbeiteten in der Regel als Handwerker oder Tagelöhner und betrieben zum Lebensunterhalt noch etwas Landwirtschaft.
Bis etwa 1912 wohnte in dem einfachen Kotten die Familie des Fabrikarbeiters Heinrich Reckord, anschließend wurde hier die Familie des Schuhmachermeisters Georg Bathe ansĂ€ssig. Auch heute noch wohnt hier Familie Bathe, die den Fachwerkbau 1956 durch ein Ă€hnlich gegliedertes GebĂ€ude ersetzte.
(altes Foto aus der Sammlung Josef Freise)





In den letzten Tagen des 2. Weltkrieges brannte die alte Verler Dorfschule nieder. Daher fasste schon Ende 1945 die Gemeindevertretung den Beschluss zum Wiederaufbau, ein Jahr spĂ€ter genehmigte die MilitĂ€rregierung das Vorhaben. In dieser notdĂŒrftigen, sparsamen Phase – das Wirtschaftswunder war noch weit entfernt – fing man 1947 mit den Bauarbeiten an. Die Beschaffung der Baumaterialien war mĂŒhselig: „10 000 Sandziegelsteine irgendwoher aus dem Kreis LĂŒbbecke und dann wieder ein grĂ¶ĂŸerer Posten von zuverlĂ€ssigen Nachbarn in Stukenbrock“ beschrieb ein Zeitzeuge. Am 10.1.1950 fand die feierliche Einweihung statt, in der Nachbarschaft zum alten Standort war eine neue, sechsklassige Schule entstanden. Im Anbau (links im Bild) befanden sich neben einer Hausmeisterwohnung und SanitĂ€ranlagen auch eine „öffentliche Badeanstalt mit 10 Brausen und 2 Wannen“.
(alte Aufnahme aus der Sammlung von Josef Freise)




Die 1950 bezogene neue Dorfschule war schon nach wenigen Jahren zu klein.
Vom Gastwirt Eilers erwarb die Gemeinde ein GrundstĂŒck fĂŒr den Erweiterungsbau.
1960 begannen die Ausschachtungsarbeiten und bereits 1962 war die Einweihung.
Im Zuge der Bauarbeiten entfiel die Terrasse vor dem Altbau und der unbefestigte Schulhof wurde durch eine Asphaltdecke „staubfrei befestigt“.
(alte Aufnahme aus der Sammlung von Josef Freise)




1959 erhielt Verl die erste Turnhalle! Bis dahin betrieben die Schulkinder der Marienschule ĂŒblicherweise im Freien Sport. Es war Rektor Wilhelm Lerch (1899-1960), der sich intensiv fĂŒr den Bau der Turnhalle einsetzte, denn so „könne den SchĂŒler jetzt durch Bewegung und Turnen sogar ein tĂ€glicher Ausgleich fĂŒr den Unterricht gewĂ€hrt werden“. Auch der Verler Turnverein wollte die neue Halle nutzen, um nicht mehr nur auf ÜbungsplĂ€tze im Freien oder in KneipensĂ€len angewiesen zu sein. Architekt war Erich Kittner aus MĂŒnster, der den Turnraum  von 25 m x12,5 m mit den NebenrĂ€umen konzipierte.
1959 begann man mit den Arbeiten und 1960 fand die Einweihung statt. Der Stolz der Verler auf das Erreichte fand seinen Widerhall in der Zeitung: „Die Einweihung der Turnhalle war erneut ein Beweis dafĂŒr, dass man den Bewohnern des östlichen Kreisgebietes und speziell des Verler Landes mit Fug und Recht besonderen Unternehmungsgeist und große RĂŒhrigkeit nachsagt.“
(altes Foto aus der Sammlung Josef Freise)





Die Tage dieser GebÀude sind gezÀhlt

Die Realschule war die erste weiterfĂŒhrende Schule auf Verler Gebiet. 1961 fasste die Gemeindevertretung den Beschluss, eine Realschule zu errichten und am 1. April 1964 nahm die Realschule ihren Betrieb auf – zunĂ€chst aber in RĂ€umen der Marienschule. Das eigene SchulgebĂ€ude, entworfen von Architekt Hermann Mertens, wurde ab 1965 gebaut. Schon 1966/67 wurden die RĂ€ume bezogen. Zur Schule gehörten eine Turnhalle und ein Lehrschwimmbecken (die Verler Kleinschwimmhalle), auch ein Haus fĂŒr den Hausmeister – hier in der Bildmitte, war eingeplant.
2018 lief die Realschule aus und seitdem wurden die GebÀude von der Verler Gesamtschule genutzt. Im Zuge des Neubaus der Gesamtschule wurden im Sommer 2023 die GebÀude der ehemaligen Realschule abgerissen. Auch die untere Abbildung ist somit nun Geschichte.
(alte Aufnahme von Josef Freise, Verl)








Heute ein beliebter Treff zum Eisschlecken, sah das GelĂ€nde vor 35 Jahren noch ganz anders aus. An der Ecke Sankt-Anna-Straße und GĂŒtersloher Straße stand lange Jahre eine reprĂ€sentative 30er-Jahre-Villa, das ehemalige Wohnhaus des Arztes Dr. Borgmann.
Dr. Ernst Borgmann  war 1923 als 2. praktischer Arzt nach Verl gekommen und  praktizierte bis zu seinem Tod im Jahr 1967. Neben der Arztvilla befand sich der rote Ziegelbau des Hofes Heitmeier, hervorgegangen aus dem 1824 entstandenen Erbpachthof Woerteler. Heitmeiers GebÀude wurden 1989 abgerissen und an dieser Stelle das Haus Hauphoff  errichtet.
Das Haus Borgmann gehörte der damaligen Gemeinde Verl, die 1988 mit der Verler Volksbank ein GrundstĂŒcks-Kauf-Tausch-GeschĂ€ft vollzog. Der Abriss des Hauses schien politisch notwendig zu sein, um den Bebauungsplan Ortskern-Verl-West zu ermöglichen. 1989 wurde die Borgmannsche Villa abgerissen. Nur der Baum im Garten des Doktors blieb erhalten.
SpĂ€ter erhielt der Platz mit der Skulptur der Spinnerin die Bezeichnung „Dr.-Borgmann-Platz“.
(altes Foto aus der Sammlung von Josef Freise)




Bis 1961 stand an dieser Stelle das Verler Spritzenhaus! Damals verlief die GĂŒtersloher Straße vom Haus Kleinemas aus direkt auf das Haus Kampwirth zu. In den 1960er Jahren wurde der Verlauf der GĂŒtersloher Straße geĂ€ndert. Mit dem Bau des Hauses Friseur Pollmeier band man den ehemaligen Straßenteil ab und machte daraus die Wilhelmstraße.
Das alte Verler Spritzenhaus wĂŒrde heutzutage im Bereich des BĂŒrgersteigs bzw. Parkplatzes stehen. Hinter ihm ging eine Straßenabzweigung ab, die sich spĂ€ter zur Oesterwieher Straße entwickelte.
Ein Spritzenhaus – heute wĂŒrde man FeuerwehrgerĂ€tehaus dazu sagen – hat als Erkennungsmerkmal immer einen Turm. In ihm wurde die FeuerwehrschlĂ€uche zum Trocknen aufgehangen. Das alte Spritzenhaus in Verl wurde abgerissen, nachdem kurz zuvor das neue Feuerwehrhaus am Bahnhof fertiggestellt worden war.
(altes Foto aus der Sammlung von Josef Freise)





GĂŒtersloher Str.9
Bis 1987 stand an dieser Stelle ein einfaches FlachdachgebĂ€ude, in dem sich das FahrradgeschĂ€ft Heier und spĂ€ter das Verler ReisebĂŒro befanden. Nach dem Abriss entstand  ein großes GeschĂ€ftshaus, in dem heute ein Lokal, ein ReisebĂŒro und eine Spielothek zu finden sind.
(altes Foto aus der Sammlung Josef Freise)


jjll



Am Westfalenweg finden wir das ehemalige Bauhof-GelÀnde, auf dem sich zuvor eine Möbelfabrik befand.
Die damalige Gemeinde Verl kaufte 1980 das GrundstĂŒck und die Fertigungshallen der Möbelfirma Willi und Heinrich Mickenbecker am Westfalenweg. um hier in zentraler Lage einen Bauhof einzurichten. Die beiden Ă€lteren Produktionshallen und das Kesselhaus (links) wurden abgerissen, die beiden neueren Hallen nutzte der Bauhof fĂŒr Fahrzeuge und GerĂ€te. Dem Bauhof standen hier ca. 5600 Quadratmeter zur VerfĂŒgung.
2020 zog der Bauhof um zum Ewersweg, auf ein GrundstĂŒck des ehemaligen Schlachthofs Echterhoff, wo nun 25 000 Quadratmeter zur VerfĂŒgung stehen.
Auf dem ehemaligen Bauhof-GelĂ€nde am Westfalenweg soll nach den PlĂ€nen der Politik demnĂ€chst ein GetrĂ€nkemarkt mit einem darĂŒberliegenden GrĂŒnderzentrum errichtet werden.
(altes Foto aus der Sammlung Josef Freise)







Auf dem alten Foto sieht man, wie ein Sack Mehl verladen wird. Fritz Brinkmann, ein treuer Mitarbeiter des MĂŒllers, steht in der TĂŒr. Er hat einen Mehlsack vom Dachboden hinunter gelassen und schwingt ihn hinĂŒber zu MĂŒhleninhaber Edmund Schröder, der auf dem LKW steht. Die Mehllieferung zu verschiedenen BĂ€ckereien in Verl, Schloß Holte und Varensell stand an. Die beiden kleinen Töchter des MĂŒllers schauen zu.
Errichtet wurde das GebĂ€ude von Johann Schröder. Er hatte zuvor an der Bunten MĂŒhle am Ölbach sein Handwerk betrieben. Im Jahr 1912 baute er an der GĂŒtersloher Straße die DampfmĂŒhle mit Wohnung und WirtschaftsgebĂ€uden. 1953 ĂŒbernahm Edmund Schröder die MĂŒhle von seinem Vater. In diesen Jahren lief die MĂŒhle von 7 bis 19 Uhr und die Bauern standen mit ihren Pferdewagen vor der TĂŒr, wĂ€hrend die kleinen Kötter mit ihren FahrrĂ€dern und SĂ€cken kamen. In spĂ€terer Zeit wurde der Futtermittelhandel als wichtiges Standbein des Unternehmens ausgebaut.
1992, nach 80 Jahren, wurde der Betrieb in der MĂŒhle eingestellt.
Heutzutage befindet sich in den ehemaligen BetriebsrĂ€umen der MĂŒhle ein Antikladen.






Die BĂ€ckerei Wiesrecker war das erste Ladenlokal in SĂŒrenheide!
Auf dem alten Foto sehen wir in der Mitte das ursprĂŒngliche Hof- und GeschĂ€ftshaus. Hier grĂŒndeten 1920 Aloys Wiesrecker und seine Frau Maria Johannhörster eine BĂ€ckerei mit angeschlossenem Kolonialwarenladen. (Zuvor hatte ein Vorbesitzer fĂŒr kurze Zeit eine LebkuchenbĂ€ckerei in dem GebĂ€ude betrieben).
Das GeschĂ€ftshaus entwickelte sich zu einem zentralen Treffpunkt in der dĂŒnnbesiedelten SĂŒrenheide: Hier gab es schon frĂŒh einen Telefonanschluss und man konnte auch am Heiligen Abend noch spĂ€t ein Geschenk besorgen. WĂ€hrend der Kriegsjahre ging die BĂ€ckersfamilie besonders mitfĂŒhlend mit Kriegsgefangenen um.  Aloys Wiesrecker war der Kirche eng verbunden und Initiator des Kirchenbauvereins, der den Baus der Judas-ThaddĂ€us-Kirche veranlasste.
1957 wurde neben dem alten HofgebÀude ein neues Ladenlokal errichtet. Zuletzt betrieb Anno Wiesrecker den Familienbetrieb.
2006 wurde das alte Hof- und GeschÀftshaus abgerissen. Im neueren Ladenlokal ist heutzutage Textilgewerbe zu finden.




Das alte Foto aus den 1930er Jahren zeigt den Blick von der FĂŒrstenstraße auf den Turm der Marienkirche.
An der rechten Straßenseite befand sich, unter der Adresse „Oesterwiehe 91“, die Gastwirtschaft Nordbrock. Das Traditionsgasthaus wurde in den 1970er Jahren in einen Lebensmittelmarkt umgewandelt. Seit 2009 betrieb hier die LĂŒninggruppe den Elli-Markt, zentraler Nahversorger in Kaunitz.
2022 bezog der Elli-Markt den Neubau an der Paderborner Straße, seitdem steht das alte Ladenlokal leer. Aktuell sucht die Stadt Verl ein Baukonzept, das den Erhalt und die Aufwertung des bestehenden GebĂ€udes beinhaltet.