Heimatkunde in Verl und anderswo
Es gibt viel zu entdecken, fangen wir an!
 

Radtour Bornholte...


... das ist ein 20 km Rundweg durch die ehemalige Bauerschaft und selbstÀndige Gemeinde Bornholte, erarbeitet von Franz-Josef Brinkmann, Norbert Strieker und Annette Kröning.

Historie und Geschichten rund um die ehemalige Bauerschaft und selbstĂ€ndige Gemeinde Bornholte sind interessant und bieten sich fĂŒr eine Radtour an. Die Entwicklung Bornholtes spiegelt den Werdegang der Stadt Verl wider und lĂ€sst sich mit einer Fahrt durch schöne Landschaften verbinden!

FĂŒr den etwa 20 Kilometer langen Rundkurs mit 19 Stationen kann man 1,5 bis 2,5 Stunden Fahrzeit veranschlagen.

Hier finden Sie Karten und Informationen zu den Stationen.

Wenn Sie gerne die Fahrradtouren-App "komoot" nutzen, so finden Sie hier den Link:




Bevor wir uns auf den Weg machen: Wo liegt Bornholte eigentlich?

Die zum 1. Januar 1970 aufgelöste Gemeinde umschloss die heutige Kernstadt bogenförmig im Osten und SĂŒden. GĂ€be es die frĂŒheren Gemeindegrenzen noch, so wĂŒrden sich viele GebĂ€ude der Stadt Verl heute auf Bornholter Grund befinden. In der Schulchronik der Meermeier-Schule wird Bornholte beschrieben als „...eine langausgedehnte Gemeinde, welche sich von Osten nach Westen erstreckt und in dieser Richtung etwa 7 km mißt. Die Breite von Norden nach SĂŒden betrĂ€gt ungefĂ€hr 3 km.“

Die erste ErwÀhnung Bornholtes finden wir in einer alten Urkunde aus dem Jahr 1453. Zu dieser Zeit war die Bauerschaft Teil der Grafschaft Rietberg und wurde von dort aus regiert und verwaltet. Die politische Struktur Ànderte sich seitdem mehrmals.

 


1 Rathaus (Paderborner Straße 5)


Wir starten unsere Tour am Rathaus, dem heutigen Verwaltungssitz.

Als die Grafschaft Rietberg im Jahr 1807 an das Königreich Westfalen fiel, wurde aus der Bauerschaft Bornholte eine Gemeinde, die vom Kantonssitz in Neuenkirchen verwaltet wurde. Das blieb auch 1815 so, als das Gebiet zum Königreich Preussen kam. Eine neue politische Verwaltungsstruktur wurde erst 1838 geschaffen, als aus den Gemeinden Verl, Bornholte, Österwiehe, Liemke und Sende der Kanton Verl gebildet wurde; einige Jahre spĂ€ter wurde hierfĂŒr die Bezeichnung „Amt Verl“ eingefĂŒhrt. Als man 1938 das 100jĂ€hrige JubilĂ€um des Amtes Verl beging, wurden den Gemeinden Wappen verliehen. Das Bornholter Wappen ist ein „redendes Wappen“, das auf die Bestandteile des Namens hinweist: Der silberne Wellenbalken im 2. und 3. Feld steht fĂŒr eine Quelle („Born“), der grĂŒne Eichenbaum im 1. und 4. Feld verweist auf ein Gehölz („Holte“). Die ErklĂ€rung des Namens als „Quellwald“ ist aber wohl eine Fehldeutung. Ulrichs Brocks Forschungen ergaben, dass die alten Schreibweisen „Bernholte“ und „Barnholt“ auf die Bedeutung „Brennholz“ oder „Waldgebiet mit Brennholz“ zurĂŒckzufĂŒhren sind.

Ein eigenes GebĂ€ude erhielt der Verwaltungssitz in Verl im Jahr 1860. Es brannte 1885 nieder und der Amtmann baute es im selben Jahr neu. Dieses damalige Amtshaus finden wir im mittleren Teil des heutigen Rathauses wieder. Von hier aus wurde auch Bornholte verwaltet. Die Gemeinde war ansonsten politisch unabhĂ€ngig und konnte eigene Entscheidungen treffen z. B. in Bezug auf den Wege- und Schulbau. Sie wurde von Gemeindevorstehern (spĂ€ter auch GemeindebĂŒrgermeister genannt) geleitet. Einer der ersten Ortsvorsteher – und uns namentlich bekannt – war Landwirt Conrad Kolkmann gnt. Balsfulland, der bis 1859 das Amt inne hatte.


2 BĂŒhlbusch (Am BĂŒhlbusch)


Über die Bahnhofstraße erreichen wir den BĂŒhlbusch.

Der "BĂŒhlbusch" liegt mittig auf einem langgestreckten HöhenrĂŒcken. Der flache HĂŒgel wurde in der Eiszeit vor etwa 200.000 Jahren abgelagert und steigt von der Ölbachaue bis hierher auf 8 Meter an. Der GelĂ€nderĂŒcken mit hohem Lehm- und Tonanteil war ertragreicher als die sandige Ebene ringsum. Hier befand sich das eingehegte Ackerland der Altbauern, in Flurkarten als „Kamp“ bezeichnet .  

Auf der nördlichen Seite vom BĂŒhlbusch gab es Getreidefelder der Verler Höfe, das sogenannte "Verler Feld". Auf der sĂŒdlichen Seite lagen die Felder der Bornholter Höfe, das "Bornholter Feld".

Der kleine Eichen- und Buchenhain des BĂŒhlbusches liegt genau dazwischen. Er war schon in frĂŒheren Zeiten das Ziel von Prozessionen. Belegt ist fĂŒr das Jahr 1747, dass die GlĂ€ubigen gegenĂŒber dem Geistlichen auf ihrem traditionellen Umzug zu diesem Ort beharrt haben. Auch heute findet an Christi Himmelfahrt am BĂŒhlbusch ein Gottesdienst statt.

FĂŒr den Wohnungsbau wurde das umliegende GelĂ€nde in den 1960er Jahren erschlossen.


3 „Heroal“ (Österwieher Straße 80)


Wir fahren weiter ĂŒber Paul-Linke-Weg, Johann-Strauß-Weg und Österwieher Straße.

An der Schnittstelle vom Paul-Linke-Weg auf den Johann-Strauß-Weg ĂŒberqueren wir die Grenze nach Bornholte. Die beiden Straßen fĂŒhren uns zu einem erfolgreichen Wirtschaftunternehmen mit Bornholter Wurzeln: „Heroal“.

FirmengrĂŒnder Johann Henkenjohann machte sich an dieser Stelle im Jahr 1874 mit der Produktion verschiedener Holzprodukte – unter anderem Holzschuhe – selbstĂ€ndig. Sein Enkel Johann Henkenjohann ĂŒbernahm den Handwerksbetrieb 1950. In den Jahren des Wiederaufbaus nach dem Krieg wandte sich der Betrieb der Produktion von RolllĂ€den zu. Das mĂŒndete in die Erfindung eines ausgeschĂ€umten Rolladenstabes im Jahr 1966. Die neue Produktionstechnik spiegelte sich im neuen Firmennamen wider („Henkenjohann rollformt Aluminium“). Seit dieser Zeitpunkt entwickelte sich heroal zu einem fĂŒhrenden Produzenten von Aluminium-Produkten wie RolllĂ€den, Fenstern, TĂŒren usw. Am Standort in Verl befinden sich die Verwaltung, das PrĂŒfzentrum sowie die Produktion von RolllĂ€den, Rolltoren und Sonnenschutzsystemen.


4 Feldschule (Eichendorffstraße 77)


Über die HĂ€ndelstraße erreichen wir die ehemalige Feldschule.

Der Bau wurde 1909 errichtet und als vierte Bornholter Volksschule genutzt. Der Name „Feldschule“ bezieht sich auf das  „Bornholter Feld“, den fruchtbaren GelĂ€nderĂŒcken, auf dem sie sich befindet. Im Volksmund etablierte sich auch der Name „Friesmeyer-Schule“ nach dem damaligen langjĂ€hrigen Lehrer. Die ursprĂŒnglich einklassige Schule wurde zwischenzeitlich erweitert, im Rahmen der Neugliederung des Volksschulwesens aber schließlich im Jahr 1968 aufgelöst.

Die 1977 neuerrichtete Grundschule Am BĂŒhlbusch deckt die ehemaligen Schulbezirke der Bornholter Schulen Feldschule und Seppeler Schule ab.


5 Siedlung Kleiststraße


Über Eichendorff- und Rilkestraße erreichen wir die Kleiststraße.

Mit der weiteren Entwicklung des Ortes erwuchs auch die Aufgabe, den sozialen Wohnungsbau in Angriff zu nehmen.

Der Siedlungskomplex an der Kleiststraße wurde von der KHW – Kommunale Haus und Wohnen GmbH – errichtet und wird seit 1970 bewohnt. Die drei GebĂ€uderiegel enthalten 42 Wohnungen, erweitert wurden sie 1995 um ein schmaleres GebĂ€ude. Die Bauherrin KHW, 1953 gegrĂŒndet als KreisheimstĂ€tte WiedenbrĂŒck, hatte in ihren GrĂŒndungsjahren zunĂ€chst die Wohnungsnot unter den Heimatvertriebenen im Blick. Heutzutage verfolgt man generell das Ziel, eine Wohnraumversorgung fĂŒr breite Bevölkerungsschichten sicherzustellen.

In Sichtweite stehen FlĂŒchtlingsunterkĂŒnfte, die sog. SchwedenhĂ€user. Die Stadt Verl errichtete im Jahr 2016 drei Riegel mit je drei HolzhĂ€usern, die Platz fĂŒr bis zu 60 Personen bieten. Jedes der HĂ€user verfĂŒgt ĂŒber 60 Quadratmeter Platz.


6 Klump und GaststĂ€tte Kastanienkrug (Österwieher Str. 161)


Über die Österwieher Straße steuern wir den „Klump“ an.

„Klump“ nennt man landlĂ€ufig die Ballung von Haus- und Hofstellen im nordwestlichen Teil der Bauerschaft Bornholte. Dazu gehören die Hofstellen Steinlage, HartkĂ€mper, Venne (Kastanienkrug) und SchĂ€tty.

Die GaststĂ€tte Kastanienkrug - heute von Familie Brockmeier betrieben – war ehemals ein wichtiger Versorger der umliegenden Bauerschaft. Bereits 1911 war Peter Venne hier als KleinhĂ€ndler aktiv. SpĂ€ter kamen eine BĂ€ckerei, Kolonialwarenhandlung, Poststation, Kohlenhandlung und ein Gasthof hinzu. WĂ€hrend die anderen GeschĂ€ftszweige inzwischen nicht mehr bestehen, ist der seit den 1950er Jahren betriebene „Kastanienkrug“ weiterhin Nachbarschaftstreff und Ausflugsziel.

7 Seppeler-Kapelle, Seppeler-Schule und Droste-Haus (Schillingsweg 11)


Über den Sinnerbrinksweg und Schillingsweg erreichen wir die nĂ€chste Station mit drei  interessanten Einrichtungen.

Die Seppeler-Kapelle ist eines der Ă€ltesten Bauwerke in Verl. Die barocke Feldkapelle  wurde ungefĂ€hr 1660 errichtet. Ab 1658 sind Bittprozessionen  zur Kapelle belegt; sie fĂŒhrten die GlĂ€ubigen der Grafschaft Rietberg am Mittwoch vor Christi Himmelfahrt hierher. Heutzutage findet an diesen Bitt-Tagen noch eine Messfeier vor der Kapelle statt. Die Kapelle wurde 2005 in die Denkmalliste der Kommune eingetragen und 2009 grundlegend restauriert.

Benannt ist die Kapelle nach dem nahe gelegenen Hof Seppeler, der zuletzt von der Familie GroßerĂŒschkamp bewirtschaftet wurde (Reckerdamm 48).



Auf dem Areal des Droste-Hauses stand frĂŒher die „Seppelerschule“, eine von 4 Bornholter Volksschulen. Sie wurde 1892 eröffnet und war baugleich mit der Schule in Bornholte-Bahnhof.

Zeitweise war auch die Bezeichnung „Meurin-Schule“ ĂŒblich. Lehrer Ernst Meurin (1885-1970) unterrichtete von 1906 bis 1950 an der Seppler-Schule und tat sich außerdem als humoristischer Heimatdichter hervor. Seine Zeitungskolumne „Hören Sie mal, Frau Nachbarin“ genoss in der Verler Bevölkerung einen legendĂ€ren Ruf, weil er zahlreiche hiesige Vorkommnisse anekdotenhaft publik machte.

Das alte Schulhaus wurde 1965 abgerissen und durch einen direkt daneben gelegenen Neubau mit Flachdach ersetzt. Dieser wurde nicht mehr lange genutzt, denn 1968 erfolgte die Neuordnung der Volksschule, die zur Auflösung dieses Standortes fĂŒhrte. 



Seit 1997 hat im ehemaligen Schulneubau das Droste-Haus seinen Sitz. Zuvor wurden mit hohem ehrenamtlichem Engagement SchulgebĂ€ude und AußengelĂ€nde umfassend umgestaltet.

BegrĂŒndet wurde das Droste-Haus im Jahr 1959 von Hugo Wöstemeyer. Er war als Soldat im 2. Weltkrieg und initiierte aus dieser Erfahrung heraus das Jugendaustauschwerk, um Frieden und Freundschaft zwischen den Völkern zu stiften.

Mittlerweile ist das Droste-Haus in vielen Bildungsbereichen tĂ€tig. Das „Jugendaustauschwerk“ ermöglicht internationale Jugendbegegnungen. Als „Familien- und BildungsstĂ€tte“ hĂ€lt es zahlreiche Fortbildungskurse bereit. Seine Aufgabe als „Familienzentrum“ nimmt es mit Angeboten im pĂ€dagogischen Bereich wahr.


8 Ehemaliges Lokal Grenzeiche, Moschee (Reckerdamm 146)


Über den Schillingsweg und den Reckerdamm lĂ€sst sich die Radtour um diese Station erweitern.

Bis 2018 betrieb die Inhaberfamilie Baak hier die traditionsreiche GaststĂ€tte „Grenz-Eiche“. Die Bezeichnung „Grenz-Eiche“ verwies auf die direkt westlich vom Haus verlaufende Grenze nach Varensell. Auch die Discothek „Flash“ befand sich hier, Anziehungspunkt fĂŒr die Verler Jugend in den 1970er und 1980er Jahren.

Seit 2019 ist in dem GebĂ€ude die Moschee der tĂŒrkisch-islamischen Gemeinde aus Verl untergebracht. Zuvor, seit etwa 1992, befand sich eine private Moschee an der GĂŒtersloher Straße. Die Glaubensgemeinschaft mit etwa 110 Mitgliedern und weiteren Teilnehmern aus dem Verler Umfeld schloss sich 2014 dem Ditib-Verband an. AlljĂ€hrlich zum Tag der Deutschen Einheit, dem 3. Oktober, werden Besucher zum Tag der offenen TĂŒr willkommen geheißen.


9 Ehem. Kunststoffwerk MĂŒnkel, „Arvato“ (Henkenstraße 59)


Über den Reckerdamm, den Reckeweg und den Rieckweg erreichen wir das nĂ€chste Ziel.

Das Kunststoffwerk MĂŒnkel war in den 1970er und 1980er Jahren ein bedeutender Arbeitgeber in Verl. Als Karl MĂŒnkel das Werk in den 1950er Jahren grĂŒndete, wurden in der kleinen Familienwerkstatt – gemeinsam mit Ehefrau Hedwig – Tapetenleisten anfertigt. Ebenso wie sich das Sortiment um hölzerne RolllĂ€den und Fenster erweiterte, wuchs auch  die Mitarbeiterzahl. Wiederholt vergrĂ¶ĂŸerte man das FirmengebĂ€ude inmitten der bĂ€uerlichen Landschaft. In den 1960er Jahren stieg die Firma MĂŒnkel in die Kunststoffproduktion ein und fertigte in Spritzgusstechnik Gartenmöbel der Marke „Darolet“. Unter der Bezeichnung „Luchs“ stellte man HausgerĂ€te  wie Messbecher, Mausefallen u. a. her. In den Spitzenzeiten des Unternehmens wurden ĂŒber 300 Mitarbeiter beschĂ€ftigt. Die Fabrik wurde mehrmals, zuletzt im Jahr 1980, von BrĂ€nden heimgesucht und anschließend wieder erweitert aufgebaut. Nach RĂŒckzug des FirmengrĂŒnders geriet das Werk in eine wirtschaftliche Schieflage und wurde im Jahr 1990 schließlich abgewickelt.

Die fast 47.500 qm HallenflĂ€che werden heutzutage von der Bertelsmann-Tochter „Arvato“ genutzt. Hier werden in einer Verpackungsstraße BĂŒcher versandfertig gemacht. EigentĂŒmer Heroal plant die Erweiterung um 8700 qm durch einen sĂŒdlich gelegenen Erweiterungsbau (Stand Februar 2020).


10 Niedieks MĂŒhle (Österwieher Straße 317)


Über die Varenseller Straße, Ahornweg und Ackerweg erreichen wir das nĂ€chste Ziel.

Die Varenseller Straße bildet die Grenze zwischen Bornholte und Österwiehe und wir radeln ein StĂŒck durch Österwiehe zu Niedieks MĂŒhle.

Die GrĂ€flich-Rietbergische GetreidemĂŒhle Niediek (auch als „Niedicker MĂŒhle“ bezeichnet) wurde im Jahr 1612 erstmals erwĂ€hnt. Das mittelschlĂ€chtige Wasserrad der MĂŒhle wurde von der Wapel angetrieben. Nach 1759 wurden die Einwohner der neu entstandenen Siedlung Kaunitz (damals noch Neukaunitz genannt) Niedieks MĂŒhle zwangsweise zugeordnet. WĂ€hrend die ersten MĂŒller den Namen Niediek trugen, hießen spĂ€tere MĂŒller Falkenrek und MĂŒller zu Verl. Um 1900 ging die MĂŒhle in den Besitz der Familie Hermann Johannhambrinker ĂŒber. Johann und Peter Hambrinker waren – bis 1967 – die letzten MĂŒller dieser MĂŒhle.


11 Wapelspeicherbecken (BrĂŒckenweg)


Über den Forellenweg erreichen wir die BrĂŒcke am BrĂŒckenweg.

Hier erhalten wir einen Eindruck von den Wasseranlagen des Wapelspeicherbeckens..

Die 35 km lange Wapel ist ein Zulauf fĂŒr Dalke und Ems. Sie entspringt östlich von Stukenbrock am SĂŒdosthang des Teutoburger Walds und trĂ€gt auf den ersten Kilometern den Namen Wehrbach. Als Wapel fließt der Bach durch Verl, Neuenkirchen, Rheda-WiedenbrĂŒck und GĂŒtersloh, bis er von der Dalke aufgenommen wird.

Da die Wapel insbesondere in niederschlagsreichen Wintermonaten  im Mittel- und Unterlauf zu Überflutungen neigte, errichtete der Wapel-Wasserverband (mit den StĂ€dten Rheda-WiedenbrĂŒck, Rietberg und Verl) zwischen 2008 und 2019 zwei Hochwasser-RĂŒckhaltebecken. Mehr als 300.000 Kubikmeter Wasser sollen beide Becken aufnehmen.


12 Meermeier-Schule, Tennisclub Verl e. V. (Kampweg 12)


Über BrĂŒckenweg, Bornholter Straße und Kampweg erreichen wir die ehemalige Meermeier-Schule.

Am Kampweg 4 stand das erste zentrale SchulgebÀude Bornholtes. Der Backsteinbau wurde 1869 errichtet, daneben stand ein Fachwerkhaus, in dem der Lehrer wohnte. Heute steht hier ein schlichtes Wohnhaus, von den alten SchulgebÀuden ist nichts mehr zu sehen.

Denn als die baulichen MĂ€ngel immer grĂ¶ĂŸer wurden, errichtete man 1939 zunĂ€chst ein neues Lehrerwohnhaus (am heutigen Kampweg 10). In den Nachkriegsjahren verkaufte die Gemeinde Bornholte das alte Schulhaus und Lehrerwohnhaus an den Gastwirt Meermeier und tauschte mit ihm SchulgrundstĂŒcke gegen anderes Land. Man baute eine neue zweiklassige Schule mit Lehrerwohnungen und nahm sie 1953 in Betrieb.

Nach der Neuordnung der Volksschulen im Jahr 1968 wurde das SchulgebÀude nicht mehr gebraucht.

Bereits 1969 verpachtete man das SchulgelĂ€nde an den Tennisclub Kaunitz. Der TC Kaunitz betreibt hier mitten im GrĂŒnen eine 7-Platz-Anlage.


13 Hof Meermeier gnt. Bredeick (Lindenstraße 157)


Über die Lindenstraße erreichen wir nach 500 Metern die Hofstelle Meermeier.

Vom Hof Meermeier gnt. Bredeick stammt Pfarrer Johannes Otto Bredeick (1789-1858).

Er unterstĂŒtzte und begleitete viele Verler Familien bei ihrer Auswanderung in die USA. Auf dem Hof verbrachte er seine Kinderjahre, besuchte dann das Gymnasium in Rietberg und wurde nach seiner weiteren Ausbildung Pfarrer und Domkapitular in OsnabrĂŒck. Die bedrĂŒckende Armut und Not der Bauern im Verler und im OsnabrĂŒcker Land ließ ihn nach Wegen suchen, den Menschen zu helfen. Gemeinsam mit seinem Bruder Ferdinand, der den elterlichen Hof in Bornholte bewirtschaftete, organisierte er eine Auswanderungsbewegung. Die BrĂŒder kauften von der US-Regierung Land in Ohio und suchten Familien aus, die mit auswandern wollten. In mehreren Wellen fand diese Auswanderung statt. Sein Bischof ließ Pfarrer Johannes Otto Bredeick erst spĂ€ter aufbrechen. Die BrĂŒder grĂŒndeten die StĂ€dte Delphos und Ottoville und engagierten sich in der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung der Region.

Die Beziehungen zu Verl gerieten in Vergessenheit und wurden erst ab 1993 durch Besuche wiederbelebt. 1999 wurde die StÀdtepartnerschaft zwischen Verl und Delphos besiegelt.


14 Wanderschule bei Sielhorst (Rolandstraße 27)


Über Lindenstraße, Rolandstraße, Baumweg und den idyllischen Heckenweg nĂ€hern wir uns dem nĂ€chsten Ziel.

Die Tour kann um einen Abstecher zur alten Wanderschule erweitert werden.

Dieses FachwerkhĂ€uschen war der VorlĂ€ufer der alten Meermeier-Schule. Bis 1869 wurden hier, in der „Wanderschule bei Sielhorst“, und am Frickenweg, in der „Wanderschule bei Seppelfricke“, Unterricht gehalten. Der Lehrer unterrichtete die Kinder der Umgebung zunĂ€chst an dem einen Standort und wanderte anschließend zum etwa 4 km entfernten anderen Standort. Diese Form des Unterrichts wurde – wegen der Wegstrecken, die der Lehrer zurĂŒcklegen musste – Wanderschule - genannt.

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15 GaststĂ€tte „Mutter Anna“ (Bergstraße 1) und Haltestelle Bornholte Bahnhof


Das Haus „Bergstraße 1“ markiert den Beginn der Siedlung „Bornholte Bahnhof“.

Die Gastwirtschaft wird im Volksmund „Mutter Anna“ genannt – ein Verweis auf die frĂŒhere Wirtin Anna Schröder (1882-1950).

Bereits mit ihrem ersten Ehemann, dem Wirt, HĂ€ndler und BĂ€cker Heinrich Brei, bewirtschaftete sie ab 1902 das Haus. Als ihr Mann wenige Jahre spĂ€ter starb, heiratete die junge Witwe den Kötter und Wirt Johann Hermann Schröder. Anna Schroeder galt als „ehrdainige“ (bodenstĂ€ndige) und resolute Wirtin. Sehr freundlich verhielt sie sich gegenĂŒber den MĂ€nnern der nahe gelegenen Arbeiterkolonie „MĂŒhlgrund“ (Bethel). Diese bezeichneten die wohlwollende Wirtin als „Mutter Anna“, ein Name, der sich schließlich auf die Gastwirtschaft ĂŒbertrug. Seit 2014 befindet sich hier die "Osteria Gusto".


Eine kleine Anekdote ĂŒber "Mutter Anna" hat Erika Heitmeyer in ihrem Buch "Pfeffer und Salz" (Rheda-WiedenbrĂŒck 1984) festgehalten:

In Bornholte fĂŒhrte Mutter Anna mit Vater Hermann eine beliebte Gastwirtschaft. Diese lag so passend an der Straße nach Verl, dass Reisende und AusflĂŒgler dort gern Station machten. Den meisten Betrieb gab es an Sonn- und Feiertagen, wenn schönes Wetter war und viele Leute mit dem Fahrrad unterwegs waren.
An einem Himmelfahrtstag war die Gastwirtschaft rappelvoll. Sogar die Stube neben dem Schankraum war ganz besetzt. Vater Hermann stand hinter dem Tresen und Mutter Anna bediente die GĂ€ste an den Tischen - so ging das Hand in Hand. Mutter Anna vergaß auch nicht, die GĂ€ste in der Stube nach ihren WĂŒnschen zu fragen. Sie kam aus dem separaten Zimmer in den Schankraum zurĂŒck und rief Vater Hermann zu: "HiĂ€rmann, do sitten en paar Löitens inne Stuoben, de wilt do noch ennen innehebben!"

(Der letzte Satz kann zweierlei bedeuten: Entweder die MĂ€dchen wollen da noch eine Person mehr haben oder sie wollen sich da noch einen heben 😉).



FrĂŒher kaufte man im Wirtshaus auch Eisenbahnfahrkarten! In Sichtweite befindet sich die Eisenbahn-Haltestelle, die diesem Verler Ortsteil seinen Namen gab: Bornholte-Bahnhof.

Die Eisenbahnhaltestelle war seinerzeit ein Gemeinschaftswerk vieler Bornholter BĂŒrger. Denn bei der Planung der TWE-Eisenbahn war hier in der Gemeinde keine Haltestelle vorgesehen worden, was fĂŒr die Bornholter Ziegeleien aber dringend notwendig war. Daher schenkte KolonialwarenhĂ€ndler Heinrich Brei das GrundstĂŒck fĂŒr die Haltestelle, Ziegeleibesitzer Undernhorst, Gemeindevorsteher Brand und Landwirt Großeschallau organisierten Steine und die Anwohner fĂŒhrten die Erdarbeiten aus. Bei der Eröffnung der Bahnstrecke im Jahr 1903 wurde hier tatsĂ€chlich eine Haltestelle eingerichtet: eine GĂŒterhaltestelle. Die Bornholter wollten auch gerne eine Personenhaltestelle haben, mehrere Bittschriften wurden allerdings abgelehnt. Erst 1907 hatte eine Petition mit 284 Unterschriften von Bornholter BĂŒrgern Erfolg. Wiederum auf eigene Kosten und mit Arbeitseinsatz zahlreicher Nachbarn baute man die Haltestelle aus. Am 18.12.1907 wurde schließlich die Personenhaltestelle in Bornholte eröffnet.

Das Ende des Personentransports wurde durch die zunehmende Verbreitung von PKWs eingelÀutet. 1978 stellte die TWE den Reisezugverkehr ein.

 

16 Grundschule Bornholte-Bahnhof (Bergstraße 26)


Über Asternweg, Krokusweg und Tulpenweg erreichen wir aus sĂŒdlicher Richtung die Grundschule Bornholte-Bahnhof.

Die Schule wurde im Jahr 1892 errichtet. Offiziell wurde sie „Bornholte II“ genannt, landlĂ€ufig hieß sie „Ostschule“ nach ihrer Lage innerhalb der Gemeinde oder auch „Schule auf dem Pieksbrink“. „Pieksbrink“ lĂ€sst sich mit „lehmige Anhöhe“ ĂŒbersetzen und entsprechend wurde der flache HĂŒgel genannt, ĂŒber den sich die Bergstraße erstreckte.
Nach Errichtung der Eisenbahnhaltestelle bĂŒrgerte sich der noch heute genutzte Name „Schule Bornholte-Bahnhof“ ein.

Ein erster Anbau fand bereits 1913 statt; spĂ€tere Erweiterungen und Umbauten erfolgten 1959/60, 1967/68 und 1987. Die ursprĂŒngliche Gestaltung des Baukörpers verĂ€nderte sich deutlich; die Fassade bestand zunĂ€chst aus Ziegelmauerwerk, wurde spĂ€ter verputzt und ist heutzutage verklinkert.

Die ehemalige Volksschule Bornholte-Bahnhof wurde 1968 in eine Grundschule umgewandelt. Sie war viele Jahre die einzige noch genutzte Schule auf Bornholter Gebiet. 2011 verlor sie ihre EigenstÀndigkeit, als die Schule aufgrund der geringen Anmeldezahlen dem Grundschulverband Kaunitz-Bornholte zugeordnet wurde.


17 Ehem. Ziegeleien in Bornholte


In östlicher Richtung, im Bereich des Grubenwegs, finden wir Standorte der ehemaligen Ziegeleien.

Zu sehen ist davon nichts mehr, GebĂ€ude wurden abgerissen und Tongruben zugeschĂŒttet. Aber sie waren hier seinerzeit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor! Ermöglicht wurden sie durch die Beschaffenheit dieser Anhöhe.

Der Bornholter RĂŒcken ist eine Schöpfung der letzten Eiszeit. Der sog. Emslandgletscher schob sich in unsere Region vor und seine sommerlichen SchmelzwĂ€sser lagerten im Vorland VorschĂŒttsande ab. Der am Grunde des Gletschers mitgefĂŒhrte Geschiebelehm legte sich nach dem Abschmelzen des Gletschers darĂŒber. Der lehmige HĂŒgel, mundartlich „Pieksbrink“ genannt, erreicht eine Höhenlinie von 105 m gegenĂŒber 85 m im flachen Umland.

Ab etwa 1880 wurde der Rohstoff Lehm abgebaut und fĂŒr die Herstellung von Ziegeln genutzt. Der Lehmabbau war mĂŒhsam; mit Ausnahme der Wintermonate  arbeiteten die MĂ€nner bei jedem Wetter in der Grube. Mit Schaufel und Spaten holten sie den Lehm heraus und fĂŒllten ihn in die Loren, die das zĂ€he Material zur Weiterverarbeitung brachten. In der Nachkriegszeit wurde der Eimerkettenbagger zur Arbeitserleichterung eingesetzt; lange Zeit nutzte man auch  Gefangenenkolonnen.

Die Lehmlagen waren 2-4 m dick; darunter befanden sich Sandschichten, die ebenfalls abgebaut wurden. Als die Lehmvorkommen sich erschöpften und die Produktion sich nicht mehr rentierte, wurden die Ziegeleien aufgegeben und zurĂŒckgebaut. In den 1970er und 1980er Jahren dienten sie zum Teil als Deponien fĂŒr Haus- und GewerbemĂŒll.

Nach einer grundlegenden Sanierung werden die ehemaligen Abbaugebiete als Bauland genutzt.


18 HĂŒhnerstall (Schmiedestrang 168)


Über Bergstraße, Nelkenweg und Schmiedestrang erreichen wir den HĂŒhnerstall.

Drei Vereine haben hier im und am HĂŒhnerstall ihren Treffpunkt und sorgen dafĂŒr, dass der Ort mit Leben gefĂŒllt ist.

1992 wurde das StallgebĂ€ude des Hofes DiekĂ€mper ehrenamtlich renoviert. Der Personenkreis, der sich wegen des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“ gefunden hatte, grĂŒndete 1993 den BĂŒrgerverein Bornholte Bhf. e. V. Mit großem Engagement wurden City-Feste, Konzerte und Mitmach-Aktionen organisiert und das Ziel verfolgt, der dörflichen Kultur hier einen Rahmen zu geben.

Weitere Baumaßnahmen fanden statt, als der BĂŒrgerschĂŒtzenvereins Verl-Bornholte-Sende – gegrĂŒndet im Jahr 1928 - hier seine VereinsrĂ€ume errichtete. 1995 wurde der Schießstand des Vereins eingeweiht.

Seit 2014 ist vor Ort noch eine weitere Initiative aktiv: Der Verein "Hof DiekĂ€mper – natĂŒrlich leben und lernen e.V." verfolgt ökologische und soziale Ziele. Gemeinsam mit dem BĂŒrgerverein betreut er den Schulgarten auf dem GelĂ€nde des HĂŒhnerstalls fĂŒr die Kinder der nahe gelegenen Grundschule. Auch die Anlage eines Feuchtwiesen-Biotops wird verfolgt.


19 Hof Großeschallau (Schallauweg 13-15)



Der Reitweg fĂŒhrt uns am Hof Großeschallau vorbei.

Hinter einer eichenbestandenen Zufahrt sieht man ein westfĂ€lisches Hallenhaus von 1734. Der DreistĂ€nderbau ist typischerweise mit dem großen Deelentor nach SĂŒden ausgerichtet. Etwas sĂŒdlich steht ein ehemaliger Schafstall in Fachwerkbauweise, der in ein Wohnhaus umgewandelt wurde. Der Hof entstand als Teilungshof aus dem ehemaligen Hof Schallau.


Schallau war einer der Ă€ltesten Höfe in der Bauerschaft Bornholte. Im 15. Jahrhundert wurde die Teilung in Große- und Kleineschallau vollzogen. Der „Großeschallau“ blieb, wie der Name ankĂŒndigt, ein Hof mit deutlich grĂ¶ĂŸerem Landbesitz. Dem „Kleineschallau“ wurden bei der Teilung kleinere Blockflure zugeordnet.    

Der frĂŒhere Hof Kleineschallau liegt etwa 100 Meter hinter dem Hof Großeschallau in nordwestlicher Richtung.


Über die Lehmkuhlstraße erreichen wir das nordöstliche Ende von Bornholte. Wir fahren die Straße am Ölbach entlang, die ein StĂŒck weit auf der Grenze zwischen Bornholte und Verl verlĂ€uft. Über die Senderstraße und Poststraße erreichen wir wieder unseren Ausgangspunkt, das Rathaus.

Kennen Sie noch mehr interessante Stationen und Geschichten aus Bornholte? Das Team der drei StadtfĂŒhrer freut sich ĂŒber weitere RĂŒckmeldungen, telefonisch oder unter kroening.verl@t-online.de.


(Annette Kröning. 08.08.2020/ 20.10.2020)